GELD? Nach wie vor ein einziger Stress für Frauen

Ein Gastbblog von Mag. Barbara Jascht, Gründerin von smart ego coaching.

Allen positiven Entwicklungen und (geschönten) Zahlen zum Trotz sind Einkommen, Vermögen, Unabhängigkeit vom Partner, Karrieren (um nur einige Dinge zu nennen) für den weiblichen Teil der deutschsprachigen Länder noch immer ein hoher Stressfaktor. Dafür gibt es massive Gründe. Dem Himmel sei Dank, kommen immer mehr Daten und Fakten ans Tageslicht, wenn es um Frauen, Geld, Karrierechancen geht.

Die Ungleichbehandlung beginnt schon im Kindesalter (Patrizia Laeri, Schweizer Wirtschaftsredakteurin, schreibt sehr interessante Artikel dazu). Eltern sind mit Mädchen knausriger als mit Jungs. Das fällt ihnen nicht auf, es passiert unbewusst. Nach wie vor sind Mädchen weniger wert, haben weniger Ansprüche zu haben und sollen sich bescheiden. Das haben wir ja von unseren Müttern und Vätern gelernt. So erhalten sie auch später weniger Taschengeld. Ob in den USA, Großbritannien, Deutschland oder der Schweiz: Buben erhalten im Schnitt 12 bis 19 Prozent mehr Taschengeld als Mädchen. Sie haben auch eine höhere Chance, für ihre Arbeiten bezahlt zu werden als Mädchen. Die Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern beginnt also schon im Kindesalter. Mädchen werden von klein auf daran gewöhnt, nichts für ihre Arbeit zu verlangen. Es wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Das deckt sich zu 100% mit den Erfahrungen aus meinen Seminaren und Coachings.

Das Ganze setzt sich fort.

Frauen bekommen über ihr ganzes Leben hinweg weniger Geld. Das Netz ist voll mit ernüchternden Studien. Sie starten mit weniger Taschengeld und verdienen im Beruf weniger. Die Lohnschere beginnt bei ca. 8% und endet in Österreich bei ca. 23%. Wir sind einer der Schlusslichter in der EU, wenn es um den Gender Pay Gap geht. Weil Frauen weniger verdienen, erhalten sie weniger Kredite zu mieseren Konditionen, überziehen eher ihr Konto, zahlen dadurch wiederum mehr Bankgebühren, können weniger investieren und müssen später mit kleineren Renten überleben. Derzeit bekommen Frauen in Österreich durchschnittlich um 39% (!) weniger Pension. Durch Corona und die Folgewirkungen wird sich diese Zahl noch verschärfen.v Das führt zum bitteren finanziellen Ende: Es ist für eine Frau viel wahrscheinlicher, altersarm zu sterben als für einen Mann. Eine britische Studie hat berechnet, dass der Lohnunterschied am extremsten bei Frauen in ihren 50ern ist. Sie verdienen in diesem Alter 28 Prozent weniger als Männer. Die Geldlücke wird also immer größer.

Kurzum: Geld ist ein einziger Stress für Frauen!

Und sie schämen sich, über Geld zu sprechen. 61 Prozent der Frauen würden lieber über den eigenen Tod reden als über Geld. Das bestätigen auch die Zahlen. 60 Prozent der Frauen wollen sich nicht mit Geld beschäftigen, während 60% der Männer es gerne tun.

Weshalb bloß? Im deutschsprachigen Raum mussten die Frauen bis Mitte der 70er und 80er Jahre die Unterschrift ihres Ehemannes erbitten, um ein Bankkonto zu eröffnen. Das war für viele Frauen ein zutiefst demütigender Prozess. Der Ehemann konnte ohne Wissen seiner Frau zum Arbeitgeber gehen und ihre Kündigung verlangen. Da erstaunt es nicht, dass sie finanziell immer noch tief verunsichert sind, speziell Frauen ab 40.

Aber das Phänomen zeigt sich weltweit. Verschiedene amerikanische Studien liefern Antworten: Eltern sprechen mit Mädchen und Jungs anders über Geld. Sie lehren Mädchen zu sparen, und Buben, ihr Vermögen aufzubauen. Sie sprechen mit 61 Prozent der Knaben im Grundschulalter über Kredite und Kreditwürdigkeit, aber nur mit 43 Prozent der Mädchen. Jungs starten damit schon finanziell selbstsicherer ins Leben. Das ist wichtig, denn Geld-Gewohnheiten formen sich schon ab sieben Jahren.

“Geld ist nicht alles!” sagen viele Frauen und flüchten sich in Verdrängung, Schönrederei, Mangeldenken, falsche Bescheidenheit und vor allem in die finanzielle Abhängigkeit vom Partner. Das Thema eskaliert vor allem, wenn Kinder da sind. Und ein großer Teil der niedrigeren Löhne ist der Tatsache geschuldet, dass Frauen, die Kinder bekommen, finanziell verlieren. Kinderkriegen führt zu Gehaltseinbußen, weshalb manche Experten eher vom Motherhood-Pay-Gap sprechen.

Mutterschaftsstrafe statt Gender-Pay-Gap!

Die Hauptursache für den Einbruch liegt auf der Hand: die Arbeitsteilung innerhalb von Familien. Nach der Geburt des ersten Kindes stecken Frauen in traditionellen heterosexuellen Partnerschaften im Beruf üblicherweise zugunsten der unbezahlten Arbeit zu Hause zurück, Männer tun dies in der Regel in geringerem Maß.

In der Schweiz – eine der Teilzeit-Hochburgen der Welt, nur in den Niederlanden ist Teilzeit noch verbreiteter als dort – geschieht dies hauptsächlich über das Jobpensum. Rund 53 Prozent der Neumütter mit Partner und Kind(ern) sind höchstens halbtags oder gar nicht erwerbstätig. Das ändert sich auch kaum, wenn das jüngste Kind in die Primarschule geht (51 Prozent aller Mütter). Bei den Vätern sind es knapp 6 Prozent. Die Zahlen in Österreich und Deutschland sind ähnlich, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. Selbst Jahre nach der Geburt arbeiten die Mütter noch immer deutlich weniger gegen Geld als die Väter.

Frauen bleiben zu Hause – Männer nicht

Der überwiegende Teil der Lohnunterschiede lässt sich also durch die verbreitete Teilzeitarbeit von Frauen erklären. Doch auch Mütter, die Vollzeit arbeiten, stecken im Beruf zurück. Auch sie verdienen nach der Geburt des ersten Kindes über die Jahre weniger als Männer mit ähnlicher Ausgangslage – wenn auch längst nicht so viel weniger. Schon seit Jahren gibt es Hinweise, dass Frauen bereits bei ihrer Studienwahl in viel größerem Maße auf die spätere Möglichkeit von Teilzeitarbeit, Berufspausen und geregelten Arbeitszeiten achten – und somit oft von Anfang an oder mit der Zeit in Branchen und auf Stellen landen, die dafür weniger gut bezahlt sind. Auch voll erwerbstätige Mütter erleiden Einbußen. Die selbstständigen Frauen fallen durch diese Statistik. Gibt man in Google “durchschnittliches Einkommen selbstständiger Frauen ein, kommt folgende kurze Zusammenfassung:

“Im Mittel betrug das Jahreseinkommen ausschließlich selbstständig Erwerbstätiger im Jahr 2015 11.637 Euro (Frauen 7.893 Euro, Männer 15.637 Euro). Das Einkommen der Pensionisten und Pensionistinnen mit Wohnsitz in Österreich (rund 2,1 Mio.) betrug 2017 exakt 20.527 Euro brutto (Frauen 16.018 Euro, Männer 26.669 Euro”.

Bravo. Die Politik und Wirtschaftskammer feiern in höchsten Tönen, dass es so viele Neugründungen von Frauen gäbe. Aus der Not heraus, verdienen Frauen noch weniger und profitieren kaum von den Absicherungen eines Angestelltenverhältnisses. 

Neue Studien belegen empirisch, was aus Alltagserfahrung längst bekannt ist: Die Beiträge von Frauen und Männern an eine gemeinsame Familie unterscheiden sich in der Regel. Frauen übernehmen deutlich mehr unbezahlte Arbeit auf Kosten ihres Erwerbslebens und somit ihrer finanziellen Absicherung. Solange der Hausfrieden in Ordnung ist, ist das kein Problem. Aber die Scheidungsraten steigen kontinuierlich und viele Frauen – vor allem mit Kindern – stehen dann ungleich schlechter da. Der Fairness halber sei erwähnt, dass auch Männer im Scheidungsfall manchmal finanziell massiv betroffen sind, es steht aber noch immer in keinem Vergleich zu Frauen.

Und: Frau zu sein, ist möglicherweise im Arbeitsmarkt längst nicht so sehr das Thema – sondern Mutter zu sein. Oder, auch als Mann, andere gesellschaftliche Verpflichtungen zu übernehmen, die eine in vielen Jobs allzu oft gewünschte ständige Einsatzbereitschaft erschweren (oft vergessen geht etwa auch die Pflege alter oder kranker Angehöriger). Allein schon die verbreitete Vorstellung, eine geringere zeitliche Flexibilität bedeute mangelnde Leistungsbereitschaft, ist auch einer der vielen Faktoren, die Mütter in der Arbeitswelt entmutigen. «Der sogenannte gender wage gap müsste eigentlich eher Gebärstrafe oder Mutterschaftsstrafe heißen», kommentierte das US-Magazin Vox und verweist darauf, dass die Situation in den USA trotz anderem politischen Umfeld sehr ähnlich aussieht.

Das ist ein gar vereinfachtes Fazit. Doch je mehr traditionelle Hürden für Frauen in der öffentlichen Arena fallen, desto wichtiger wird die motherhood wage penalty in der Debatte um Berufschancen für Frauen. Männer sind einfach nicht von der Mutterschaftsstrafe betroffen. Kein Arbeitgeber fragt einen Mann beim Bewerbungsgespräch “Und? Wie sieht es aus mit Schwangerschaften?” Somit ist es eine Milchmädchenrechnung, dass Männer einfach mehr Vermögen besitzen als Frauen. Zusätzlich verschärft sich die Lage, weil sich Frauen traditionellerweise noch viel zu wenig mit Geld und Vermögensaufbau beschäftigen. Eine fasizinierende Tatsache ist zudem, dass Frauen und Männer das Einkommen des Mannes groß reden oder das der Frauen klein. Damit die männliche Identität nicht bedroht wird. Gerechterweise auch die weibliche. Viel zu viele Frauen hängen noch dem alten Bild des Versorgers und Geldmanagers in Form des Mannes nach.

Fazit

Von Männern hört man eher selten, dass Geld, Macht und Vermögen uninteressant seien. Geld bringt Macht und Einfluss. Es hat vor allem auch Macht, die Welt zum Besseren zu verändern. Deswegen ist es so wichtig, dass alle, die sie zum Besseren verändern wollen, auch Geld haben. Deshalb müssen Frauen untereinander über Geld, Business, Aktien und Investitionen sprechen, auch mit Töchtern, Nichten, Enkelinnen. Frauen und Männer müssen am gelichen Strang ziehen und bereit sein, sich zu verändern und Stereotypen in Frage zu stellen. Kinder zu bekommen, sollte keine Wahl von “Entweder-Oder” sondern ein von “Sowohl-Als auch” sein. Aber vor allem: Frauen sollen sich kollektiv eine Lohnerhöhung geben. Denn mehr Geld zu beanspruchen, bedeutet auch, sich mehr zu lieben.

Über die Autorin:

Mag, Barbara Jascht, Gründerin von smart ego coaching, Barbara Jascht Seminare, der Digitalagentur “myfunnelworks”, Autorin des Buches “Wie du zur top-bezahlten Unternehmerin wirst”, Keynote Speakerin, ist der Nummer 1 Coach für selbstständige Frauen im deutschsprachigen Raum. Barbara Jascht studierte Psychologie, Konzertfach Klavier, ist diplomierte Wirtschaftstrainerin, Management Coach und von Anbeginn an alleinerziehende Mutter eines Teenager Sohnes. Sie hilft Unternehmerinnen, ein 6-stelliges Business aufzubauen. Ihre Motivation ist, einen Beitrag für eine besser Welt zu leisten. Sie beschäftigt sich seit drei Jahrzehnten intensiv mit spirituellen Themen. Sie verbindet Geschäft, Geld und Erfolg mit Spiritualität und viel Humor. Den braucht man auch im Angesicht der Zahlen und der letzten gesellschaftlichen Entwicklung.

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